Weltweit begehrte Anlageziele

Düsseldorf.
Den richtig „deutschen“ Konzern sucht man im Deutschen Aktienindex (Dax) vergebens. Am ehesten könnte sich vielleicht noch Thyssen-Krupp als solcher bezeichnen. Ausländer halten am Stahlriesen nur knapp 30 Prozent. Allerdings liegt mehr als ein Viertel des Kapitals fest in Händen der Krupp-Stiftung, weitere fünf Prozent hält der Konzern nach Rückkäufen.

Solch eine Konstellation verhindert von vornherein Aktionärsstrukturen wie beispielsweise bei der Deutschen Börse, wo sich ausländische Investoren inzwischen mit 84 Prozent eingekauft haben. Das ist Rekord. Insgesamt steigerten ausländische Investoren ihren Anteil an den Dax-Konzernen binnen zwei Jahren um knapp neun Prozentpunkte auf nunmehr 52,6 Prozent.

Deutlich weniger als die Hälfte halten Ausländer fast nur noch bei den ehemaligen Staatskonzernen wie der Deutschen Post, Deutschen Postbank und Deutschen Lufthansa oder aber bei Unternehmen mit starkem Aktionärsbesitz der Gründer (SAP), Familie (Volkswagen) oder Stiftung (Thyssen-Krupp).

Doch insgesamt überwiegt der Trend zur Internationalisierung. „Die Entwicklung spiegelt den Ratschlag vieler deutscher Bankberater an ihre Kunden wider, mehr zu diversifizieren und nicht nur deutsche Aktien zu halten“, sagt Oliver-Wyman-Berater Thomas Kautzsch. Ergebnis dieses größeren Blicks über den Tellerrand ist eine weltweit breitere Streuung der Anteilsscheine, weil Ausländer in die Bresche springen, wenn heimische Anleger verkaufen.


Überkreuzbeteiligungen ade

Doch es sind keineswegs nur deutsche Privatanleger, die ihre deutschen Aktien verkaufen, um ihre Risiken weltweit breiter zu streuen. Noch stärker verändern sich die Gewichte bei den großen Investoren: In dem Maße, wie sich die alte Deutschland AG mit ihren vielen Überkreuzbeteiligungen auflöst, kaufen sich nun ausländische Investoren ein. Am Versicherungsriesen Allianz beispielsweise hält heute die Investmentbank JP Morgan Chase 4,6 Prozent des Grundkapitals. Einst waren Allianz und Münchener Rück eng mit ihren Aktien verflochten.

Auffällig ist schließlich, dass Ausländer häufig hohe Anteile ausgerechnet an solchen Werten halten, deren Kurs sich besonders gut entwickelt. Paradebeispiele sind Continental und Deutsche Börse, deren Wert sich in einem überschaubaren Zeitraum gleich versechsfachte: der des Reifenspezialisten binnen vier und der der Börse sogar in knapp drei Jahren.

Dabei beweisen ausländische Investoren nicht unbedingt ein gutes Näschen, indem sie frühzeitig auf die richtigen Überflieger setzen. Vielmehr erzwingen sie nach ihrem Einstieg beim Management oftmals geeignete Schritte, um den Kurs zu treiben. Paradebeispiel dafür ist wieder die Deutsche Börse. Anstatt die Londoner Börse zu übernehmen, wie es Ex-Chef Werner Seifert gerne wollte, drängten Hedge-Fonds den Vorstand, Aktien zurückzukaufen und obendrein mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten.

Beide Aktionen stimulieren gewöhnlich – und auch bei der Deutschen Börse – den Unternehmenswert. Aktienrückkäufe verringern das Grundkapital und erhöhen so den Gewinn je Aktie, was die Anteilsscheine attraktiver macht. Und hohe Dividenden lockten schon immer Aktionäre an.

som

Quelle: Handelsblatt, 17.12.2007, Seite 14

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