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Endlich wird der Ausverkauf der deutschen Wirtschaft zum Thema
Die deutsche Wirtschaft ist ein Billigangebot. Mit dem Gewinn eines guten Jahres könnte die US-amerikanische Citigroup die Deutsche Bank aufkaufen. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo will die deutsch-französische Aventis übernehmen und müßte dafür nur so viel aufwenden, wie Sanofi selbst kosten würde, obwohl er nur halb so groß ist und weit weniger als die Hälfte der Mitarbeiter beschäftigt.
Ob eine Firma geschluckt wird, ist in den meisten Fällen nur eine Frage des Preises. Weshalb sollten Aktionäre einer deutschen Traditionsfirma die Treue halten, wenn ihre Anteile vergoldet werden. Natürlich sträubt sich das Management, aber nur und nur solange, bis der Übernahmepreis kräftig gestiegen ist. Der Fall Mannesmann/ Vodafone ist extrem, aber keineswegs untypisch. Auch Großaktionäre machen Kasse, wenn das Angebot stimmt, wie der kürzliche Verkauf der Wella-AG an den amerikanischen Pampers-Riesen Procter & Gamble gezeigt hat.
Daß es nicht noch mehr Verkäufe großer und kleiner deutscher Unternehmen an ausländische Konzerne und dubiose Finanzgruppen gibt, ist nicht Ausdruck einer besonderen Verantwortung für den Standort Deutschland, sondern vor allem der fehlenden Rentabilität vieler Firmen zu danken, mit denen auch nach radikalem Personalabbau keine Gewinne zu machen sind.
Bei der Klage über den Ausverkauf deutscher Unternehmen wird oft übersehen, daß nur dort gekauft werden kann, wo auch ein Verkäufer ist. Mit der Erbengeneration der deutschen Wirtschaft ist kein Staat zu machen. Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und den Mitarbeitern kennen viele Besitzer nicht mehr. Die 68er sind auch dort am Zuge. Der nationale Nihilismus hat die Vorstandsetagen erreicht.
Ein vermeintliches Argument gegen die Gefahren des gestiegenen Transfer des Produktionskapitals von Inländern zu Ausländern ist die Weltmeisterschaft Deutschlands bei den Exporten. Doch sieht man den Exportdaten ja nicht an, wem der Hersteller gehört. Mit jeder Akquisition wird der konzerninterne Handel verstärkt, der dann als deutscher Exportzuwachs verrechnet wird. Und der Audi, dessen Motor in Ungarn gebaut wird, fließt mit vollem Wert in die deutsche Exportstatistik ein. Also Vorsicht bei den Exporterfolgen, wenn sie mit fremdem Kapital und ausländischen Zulieferern erzielt werden.
Selbst dann, wenn den Aufkäufen entsprechende Übernahmen durch deutsche Firmen gegenüberständen - was seit einigen Jahren nicht der Fall ist - wäre der Trend gefährlich, weil es keine Übernahme gibt, die nicht mit Arbeitsplatzverlusten bei den übernommenen Unternehmen bezahlt worden wäre. Vor allem sind ausländische Konzerne in der Regel sehr national bestimmt, während sich viele deutsche Großunternehmen multinational verstehen.
In der neuen historischen Phase des verschärften Wettbewerbs zwischen den Nationen hat jenes Land keine Chancen, das nicht über eine eigene breite industrielle Basis verfügt. Vom deutschen Steuerzahler finanzierte Forschungsförderung und Strukturpolitik würden dann dem Ausland zugute kommen. Die Folgen wären katastrophal.
Die Frage nach der Verfügungsgewalt über die deutsche Wirtschaft ist existentiell. Sollte sich der Ausverkauf fortsetzen, wäre dies ein anderer Weg zur Entmachtung Deutschlands, wie sie von US-amerikanischen und britischen Politikern im vergangenen Jahrhundert wiederholt, wenn auch ohne Erfolg, anvisiert worden war.
Der Wettbewerb zwischen den ausgewachsenen und marktgesättigten Industriestaaten wird an Härte zunehmen. Da gibt es keine Freundschaften mehr. Das Land, das von den Entscheidungen ausländischer Konzernzentralen abhängig wird, ist der Verlierer.
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