Gaz de France übernimmt Preussag Energie

Franzosen erwerben die deutschen Aktivitäten / Weitere Interessenten für Auslandsgeschäft

München (SZ/Reuters) - Der Touristikkonzern TUI verkauft weite Teile seiner Erdöl- und Erdgastochter Preussag Energie GmbH, Lingen, an den französischen Energiekonzern Gaz de France (GDF). Für knapp eine Millarde Euro übernehme der französische Staatskonzern das Deutschland-Geschäft und damit den größten Bereich der Toschtergesellschaft, teilte TUI am Freitag in Hannover mit. Dem Verkauf müssen noch der Aufsichtsrat und die Kartellbehörden zustimmen. Über den Verkauf der Auslandsaktivitäten von Preussag Energie, etwa in Tunesien, Südamerika und Neuseeland, werde derzeit mit anderen Interessenten verhandelt. Die Gespräche liefen noch.

Insgesamt wird TUI damit für die Energietochter mehr als die erwartete eine Milliarde Euro erzielen. Der ehemalige Preussag-Konzern hatte im Frühsommer angekündigt, sich im Zuge der Neustrukturierung zum Touristikunternehmen auch von der lukrativen Energie-Tochter zu trennen. Ziel sei es, mit dem Verkauf der nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftszweige die Schulden zu senken, die bis Ende 2002 voraussichtlich auf 5,8 Milliarden Euro steigen werden. Bis Ende 2003 sollen sie deutlich unter vier Milliarden Euro sinken.

Preussag Energie mit rund 700 Beschäftigten galt in der Energiebranche als interessantes Kaufobjekt. Geboten haben dem Vernehmen nach der Mineralölkonzern Eon. Das Unternehmen besitzt neben Förderkonzessionen in Deutschland Beteiligungen an internationalen Öl- und Gasfeldern, unter anderem in Venezuela, Tunesien und im Pazifik bei Neuseeland. Preussag Energie war jahrelang der Gewinnbringer des Gesamtkonzerns. Im vorigen Jahr erwirtschaftete die gesamte Energiesparte, an der Preussag Energie rund zwei Drittel ausmachte, 836 Millionen Euro Jahresumsatz und ein operatives Ergebnis von 338 Millionen Euro und damit 40 Prozent des Konzernergebnisses. In diesem Jahr waren Umsatz und Ergebnis allerdings aufgrund der weltweiten Konjunkturprobleme rückläufig.

Gaz de France erzielte im vergangenen Jahr mit rund 36.000 Beschäftigten einen Umsatz von 14,4 Milliarden Euro. In Deutschland sind die Franzosen bereits an dem deutschen Gasversorger Gasag und an der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig beteiligt. Zudem ist das Energieunternehmen EGG in Gera eine hundertprozentige Tochter von Gaz de France. Der deutsche Gasmarkt ist der größte Kontinentaleuropas. Mit dem Kauf der Preussag Energie wird GDF seine Gasproduktion um 50 Prozent auf 4,6 Milliarden Kubikmeter erhöhen können. Die Rohstoffreserven, die GDF im Nordwesten Deutschlands erwirbt, werden auf insgesamt 25 Miliarden Kubikmeter Erdgas und 50 Millionen Fass Rohöl geschätzt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 28./29.12.2002 Ausgabe 299, S. 20

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