Grohe-Mitarbeiter fürchten Abbau von bis zu 3000 Jobs
Beim Armaturenhersteller Grohe aus dem sauerländischen Hemer drohen bis zu 3000 der 4500 Arbeitsplätze in Deutschland wegzufallen. Grund ist ein Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey, die darin eine Verlagerung erheblicher Teile der Produktion nach China empfiehlt.
Auftraggeber des Papiers sind die US-Investoren Texas Pacific Group und CSFB Private Equity, denen Grohe gehört. Die Unternehmensleitung bestätigte am Montag die Zahl, sieht aber "akut nur 1500 Arbeitsplätze gefährdet", sagte ein Sprecher.
Texas Pacific Group und CSFB Private Equity hatten den weltweit größten Sanitärexporteur im vergangenen Sommer vom britischen Finanzinvestor BC Partners für mindestens 1,5 Mrd. Euro gekauft. BC Partners, der Grohe 1999 von der Eigentümerfamilie für 900 Mio. Euro erworben hatte, plante ursprünglich einen Börsengang. "Trotz rund 20 Prozent Kapitalrendite wollen die neuen Eigentümer der Firma Grohe das Unternehmen an den deutschen Standorten ausbluten lassen", sagte Bernd Schildknecht, Bevollmächtigter der IG Metall. Die Gewerkschaft hatte Kenntnis von dem McKinsey-Gutachten erhalten. In Hemer ist daher am Dienstag eine Protestkundgebung geplant.
Schon im März hatte der frühere Vodafone-Manager David Haines, seit September 2004 Chef bei Grohe, Maßnahmen angekündigt: "Wir müssen jetzt handeln, um aus einer Position der Stärke die Zukunft des Unternehmens zu sichern." Der geplante Börsengang wurde gestrichen.
Kritik der IG Metall
Die Angst der IG Metall, Grohe könne zum "Opfer von Finanzhaien" werden, sei unbegründet, stellte der Vorstand am Montag klar. Die Verlagerung in Niedriglohnländer sei im internationalen Wettbewerb dringend erforderlich. Dass es den Eigentümern tatsächlich um langfristige Sicherung geht, bezweifelt die IG Metall: "Die sind dabei, den Laden kaputt zu wirtschaften", sagte Gewerkschaftssprecher Wolfgang Nettelstroth, doch diese Strategie werde sich nicht lohnen, wenn der Ruf erst ruiniert ist. "Die haben das Ziel, den Laden zu verwerten und nach drei Jahren wieder herauszugehen."
Zunächst hatte Peter Körfer-Schün, damals Vorstandschef von Grohe, die Übernahme durch die US-Investoren im vergangenen Jahr begrüßt: "Damit bleibe die Unabhängigkeit des Unternehmens und die Chance auf einen späteren Börsengang erhalten", sagte er und kündigte eine weitere Internationalisierung an. Wenig später wurde er durch Haines ersetzt.
Die Strategie der Investoren, den Namen des europäischen Marktführers zu nutzen, um künftig Billigprodukte aus China mit höherer Rendite verkaufen zu können, hat die Belegschaft gegen die neuen Eigentümer aufgebracht. Um diese von dem Vorhaben abzubringen, will die Gewerkschaft jetzt die Öffentlichkeit informieren. "Die Angst um Arbeitsplätze wird für die Eigentümer zum Renditerisiko", sagte Nettelstroth. Streiks seien im Moment nicht geplant.
Nachdem Grohe 2003 mit einem Umsatz von 885 Mio. Euro ein Vorsteuerergebnis von 185 Mio. Euruo eingefahren hatte, brach das Geschäft im vorigen Jahr ein. Die schwache Nachfrage im Inland, der Kostendruck und der ungünstige Wechselkurs zum Dollar zogen das Unternehmen in die roten Zahlen. Knapp 80 Prozent seines Umsatzes erzielt der Sanitärhersteller mittlerweile im Ausland, die Produktion dagegen stammt derzeit noch zu rund 80 Prozent aus Deutschland.
Matthias Ruch