Investor nimmt Tank & Rast aus

von Angela Maier (Frankfurt)

Der Finanzinvestor Terra Firma hat bei seiner Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast eineinhalb Jahre nach dem Kauf Kasse gemacht. Das erfuhr die FTD aus Finanzkreisen.

Die britische Beteiligungsfirma stockte die Schulden von Tank & Rast um mehr als ein Drittel auf und finanzierte so eine Sonderausschüttung an ihre Geldgeber von rund 400 Mio. Euro. Damit haben die Eigner von Tank & Rast bereits das 1,5- bis 2fache ihres Einsatzes zurückerhalten. Gleichzeitig besitzen sie noch alle Firmenanteile.

Der Betreiber von mehr als 90 Prozent aller deutschen Autobahnraststätten ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Finanzinvestoren sich bei Firmen bedienen und schnelle Gewinne einfahren. Damit erhält SPD-Vizekanzler Franz Müntefering Rückenwind für die umstrittene Behauptung, "manche Finanzinvestoren fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter". Befürworter der Branche sagen dagegen, Private-Equity-Gesellschaften würden investieren und damit Arbeitsplätze sichern und schaffen.

Der Fall Tank & Rast ist umso heikler, als sich die Firma bis 1998 in Bundesbesitz befand. Nach einem missglückten Börsengangversuch 2004 verkauften die damaligen Eigner Apax, Allianz und Lufthansa das Unternehmen für 1,1 Mrd. Euro an Terra Firma weiter.

Zu den Riesengewinnen verhelfen den Investoren die Banken, die ihnen zur Finanzierung so große Schuldenpakete zur Verfügung stellen wie noch nie. Deswegen häufen sich seit 2005 die Fälle, in denen Finanzinvestoren ihren Unternehmen neue Schulden aufladen, um ihre Geldgeber zu befriedigen - wie jetzt Terra Firma bei Tank & Rast. In Einzelfällen werden Unternehmen an den Rand ihrer Existenz gebracht. Beispiel Edscha: Bei dem Remscheider Autozulieferer brach das US-Geschäft ein - kurz nachdem der US-Investor Carlyle 60 Mio. Euro abgezogen hatte. Seither ist Edscha immer wieder kurz davor, die Kreditbedingungen zu verletzen.

Aktion dürfte Pächtern sauer aufstoßen

Den Finanzinvestoren verschaffen die gewachsenen Verschuldungsmöglichkeiten Fabelrenditen. So hat Bain Capital mit dem Chemiedistributeur Brenntag den Eigenkapitaleinsatz nach FTD-Informationen in zweieinhalb Jahren verfünffacht. Am Dienstag verkaufte Bain Brenntag an den britischen Investor BC Partners weiter, der dafür laut Finanzkreisen über 3 Mrd. Euro zahlt.

Dass Terra Firma mit Tank & Rast den schnellen Euro macht, dürfte vielen Pächtern der 380 Rast- und 340 Tankanlagen sauer aufstoßen. Die Beteiligungsfirma hatte seit dem Erwerb begonnen, Tankstellen zusammenzulegen, Pachten zu erhöhen und Pächtern zu kündigen. Seither sank die Zahl der Pächter von 240 auf 220. Mehrere klagen, dass sich ihre Pachten von 2005 bis 2007 mehr als verdoppeln.

Tank & Rast-Manager verweisen darauf, dass man die Raststätten laufend modernisiere und die Pächter so höhere Umsätze erzielen könnten. Doch laut des Branchendienstes Food Service sind die Anlagen von der allgemeinen Konsumzurückhaltung betroffen: Er schätzt für 2005 nur ein Umsatzplus von 1,7 Prozent. Tank & Rast und Terra Firma lehnten jeglichen Kommentar zu Finanzzahlen ab.

Angesichts des stockenden Wachstums überrascht, dass die Banken ein deutlich größeres Kreditpaket bewilligt haben. Betrug das Darlehen für den Kauf Ende 2004 noch 820 Mio. Euro, haben Royal Bank of Scotland, Société Générale und WestLB die Betreibergesellschaft nun mit 1,2 Mrd. Euro refinanziert. Dabei bedienten sich die Institute eines Tricks: Angesichts der lang laufenden Konzessionen wird Tank & Rast nun nicht wie eine Private-Equity-Transaktion finanziert, sondern wie ein Infrastrukturprojekt. Das bedeutet günstigere Zinsen und niedrigere Tilgungsraten - und ermöglicht so eine höhere Verschuldung.

Quelle: Financial Times Deutschland, 26.07.2006

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