"Niemals eine Heuschrecke"

Johannes Friedmann, 55, Mitgesellschafter des Süddeutschen Verlages, über die Verkaufsabsichten der Gesellschafterfamilien

Spiegel: Herr Friedman, am Mittwoch haben sich die Gesellschafter des Süddeutschen Verlages, der die "Süddeutsche Zeitung" herausgibt, getroffen. Wurde über den Verkauf gesprochen?

Friedmann: Die Versammlung war nicht beschlussfähig. Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) und wir sind nicht erschienen.

Spiegel: Einige der Alteigentümer-Familien wollen ihre Anteile am Verlag verkaufen. Gehört Ihre Familie dazu?

Friedmann: Nein. Wir gehören nicht dazu. Meine Familie ist mit Zeitungen aufgewachsen. Das ist unser Lebensinhalt.

Spiegel: Der Zeitpunkt wäre günstig, um einen guten Preis zu erzielen.

Friedmann: Wir sind an einem guten Preis nicht interessiert. Er könte auch fünfmal so hoch sein.

Spiegel: Offenbar sind Finanzinvestoren an der "SZ" interessiert. Droht eine Übernahme durch eine Heuschrecke?

Friedmann: Es wäre für einen solchen Interessenten bestimmt eine feine Sache, eine satzungsändernde Dreiviertelmehrheit zusammenzubekommen. Aber die steht nicht zum Verkauf. Die SWMH hält 18,75 Prozent. Die Familie Friedmann hält ebenso viel. Beide wollen ihre Beteiligung nicht verkaufen. So kann höchstens ein Paket von 62,5 Prozent auf dem Markt sein. Das ist zu wenig, um die Satzung zu ändern.

Spiegel: Vielleicht würde das einem Finanzinvestor auch reichen. Er hätte dann mehr als die Hälfte der Anteile.

Friedmann: Selbst das ist nicht sicher. Die anderen Familien bräuchten in ihren Familiengesellschaften vermutlich einen einstimmigen Beschluss, um verkaufen zu können. Soweit ich weiß, ist ein solcher Beschluss maximal bei drei Familien zustande gekommen. Vermutlich geht es momentan nur um eine Minderheitsbeteiligung.

Spiegel: Damit wäre der Einstieg für Finanzinvestoren uninteressant.

Friedmann: Der ist eigentlich ausgeschlossen. Sie können nicht auf den Cashflow zugreifen, selbst wenn sie eine einfache Mehrheit haben. Die verkaufswilligen Familien peilen einen Bieterwettbewerb an, um den Preis hochzutreiben. Doch das ist laut Satzung sicher nicht zulässig. Zudem bedarf die Aufnahme in den Kreis der Herausgeber aus meiner Sicht der Zustimmung der übrigen Gesellschafter. Ich werde Diese Zustimmung einem Finanzinvestor niemals erteilen. Eine Heuchrecke darf niemals Herausgeber der "SZ" werden. Dafür werde ich mit allen Mitteln kämpfen.

Quelle: Spiegel 10/2007, 5.03.2007

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