Kreditfinanzierte Übernahmen treiben Sanio um
von Reinhard Hönighaus und Elisabeth Atzler
BaFin-Präsident warnt vor zu hoher Verschuldung
Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, hat vor übertriebender Verschuldung bei stark fremdkapitalfinanzierten Übernahmen gewarnt.
"Dadurch, dass die Finanzierungen riskanter werden, geraten die Zielunternehmen in Gefahr, spätestens vom nächsten konjunkturellen Abschwung dahingerafft zu werden", sagte Sanio am Donnerstagabend.
2006 waren weltweit Firmen im Rekordwert von 3700 Mrd. $ übernommen worden. Vor allem Private-Equity-Fonds finanzieren Zukäufe mit hohem Fremdkapitalanteil und bürden anschließend den Firmen die Kredite auf -
ein Vorgehen, das die Finanzaufseher zunehmend beunruhigt. "Sollte es irgendwann zu Schieflagen bei den Zielunternehmen kommen, muss hoffentlich keine Bank feststellen, dass sie das eine oder andere Risiko übersehen hat,
das in solchen hochkomplexen (Kredit)-Konstruktionen steckt", sagte er.
Mit Blick auf die Ertragslage der deutschen Banken sagte Sanio, die im europäischen Vergleich hohe Abhängigkeit von Zinserträgen sei eine "große strukturelle Schwäche".
Angesichts der flachen Zinskurve falle die Fristentransformation als Ertragsquelle aus. Zudem mahnte er die Assekuranz, den Preiskrieg in der Autoversicherung zu beenden.
Quelle: Financial Times Deutschland, 12. Januar 2007, Seite 17